Delegazione MCI

Unsere Liturgien – eine Bilanz und Perspektiven

In den ersten beiden Tagen unserer Nationaltagung haben wir uns eine biblische und historische Analyse des liturgischen Dienstes angesehen, ausgehend von den Diensten, wie sie das Volk Israel gelebt hat, über die Praxis, die Jesus in seiner Zeit eingeführt hat und die in den frühen christlichen Gemeinden praktiziert wurde bis hin zu den Erneuerungen, die das zweite Vatikanische Konzil mit sich gebracht hat, durch eine neue Sichtweise dessen, was Kiche sein bedeutet und die Anpassung an die moderne Zeit und Kultur.

Dies erlaubt uns nun, uns mit unsere eigenen Liturgien zu befassen, zu sehen, wo wir stehen, welche äußeren Umstände sie beeinflussen, um dann darauf hinzuwirken, dass unsere Liturgien so gestaltet sind, dass in ihnen der Glaube gelebt und sichtbar wird, die Teilnehmer im Glauben wachsen und die Gemeinde sich begegnet.

 

Liturgien für Migranten

Mit Ausnahme der Mission in Mainz haben wir nirgends eigene Kulträume, die wir autonom nutzen und damit den italienischen Traditionen anpassen können: wir sind überall “nur zur Miete”, d.h. wir nutzen die Gottesdiensträume der deutschen Ortsgemeinden in denen unsere Dienstsitze sind bzw. in denen die Anzahl der ansässigen Landsleute am höchsten ist. Einige Missionen haben ein Zimmer oder einen Saal zu einer Kappelle umfunktioniert, aber nur für den internen Gebrauch, für das tägliche Gebet des Missionaren oder einer kleinen Gruppe, nicht jedoch für die Sonntagsgottesdienstgemeinde.

Die Gottesdienste finden in der Regel in den Kirchen statt, oft zu unmöglichen Zeiten, die wir mit der Gegenseite (Pfarrer, Sekretärinnen, Mesner,…), die manchmal nicht mit sich reden lässt, aushandeln müssen, und ausgenommen an den großen Feiertagen (Weihnachten, Palmsonntag, Ostern), haben wir meist nur eine kleine Schar von Landsleuten vor uns, die von weit her kommen  und sich über den gesamten Kirchenraum verteilen.

Dies sind eine ganze Reihe von Elementen, die sicherlich die Begegnung nicht fördern, auch nicht das Zusammenkommen, um sich gemeinsam um den Tisch des Herrn zu versammeln, sein Wort zu hören und das Mahl zu teilen, zusammen zu feiern und den Glauben zu bezeugen. Dass man sie einlädt doch in den ersten Reihen Platz zu nehmen (es kann sich der glücklich schätzen, dem dies gelingt!), näher zueinander zu rücken, um auch nach außen hin eine Gemeinschaft zu bilden, kann das Problem schmälern, aber es ist keine Lösung. Die Tatsache, dass es meistens immer die gleichen Personen sind, die am Gottesdienst teilnehmen, trägt wohl zur Gemeinschaftsbildung und zu einer gewissen Beziehung bei. Dies sind einige der bekannten Schwierigkeiten, mit denen Minderheiten zu kämpfen haben und die uns immer wieder daran erinnern, dass wir auf dieser Erde auf der Pilgerschaft sind, zu einem Ort hin, der uns in der Ewigkeit von Gott selbst geschenkt wird.

Auf grund der beschriebenen Grenzen, denen wir ausgesetzt sind, ist es sicherlich wichtiger nicht so sehr auf den Ort (es gibt nie einen optimalen Gottesdienstort, und das ist auch nicht grundlegend) oder auf einen perfekten Ritus (der Ritus ist zwar wichtig aber formal und im Grunde nebensächlich) ankommt, sondern auf die Qualität unserer Liturgien, ganz im Sinne Jesu, der im Gespräch mit der Samariterin sagte: “Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet (…). Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden” (Joh. 4,21.23). Der eigentliche Ort, an dem die Begegnung mit Gott stattfindet, ist der Mensch selbst, in seinem Herzen, im Verborgenen. Darauf müssen wir abzielen, uns darauf konzentrieren. Wenn das Gebet nicht von dort ausgeht, ist es nur ein sich zur Schau stellen, und wir riskieren, dass unsere Liturgien zu Riten werden, die das Auge, die Esthetik erfreuen, unsere Emotionen befriedigen, aber nicht tiefer gehen, unser Leben nicht verändern, und dass die Begegnung mit Gott nicht im Letzten stattfindet.

Unser wahres Problem ist demnach: wie können wir das Herz der Gemeinde einbeziehen und ansprechen? Hierfür gibt es keine Rezepte, zumindest kenne ich keine. Es gibt Instrumente, viele sogar. Seit ein paar Jahren werden in unseren Gemeinden Fortbildungen durchgeführt, und das ist sicherlich eine wichtige Schiene. Die aktive Einbeziehung aller, die am Gottesdienst teilnehmen (Vorsänger, Lektoren, Vorbereitung von Gebeten, Vorbereitung und Durchführung einzelner Teile) ist eine fondamentale unumgängliche Voraussetzung damit die Gemeinde nicht nur die “Zuschauerrolle” einnimmt. Die Allmacht des Pfarrers, dessen Aufgabe es ist, dem Gottesdienst vorzustehen und das Gebet anzuleiten, nimmt sonst den Einzelnen die Eigenverantwortung. Die Gemeinde als aktives Subjekt des Gottesdienstes  braucht konkrete Zeichen, die den Geist spürbar werden lassen.

Die Begegnung mit Gott wird dann zum Fest, zu einem Fest für alle und aller, ein Fest der Freude, die ausstrahlt, weil sie von Innen herauskommt. Wenn uns Gott durch den Glauben zum Gottesdienst zusammenruft, dann wird die Liturgie zum Ausdruck des Glaubens, zu einem Fest des Glaubens, der Ausdruck eines christlichen Lebens. Dies geschieht vor allem in der Eucharistiefeier: indem wir uns an das Vergangene erinnern, feiern wir in der Gegenwart das, was uns die Zukunft bringt, nämlich dass allen Gottes Heil zuteil wird.  

Wir wissen sehr wohl, dass unsere Liturgien, mögen sie noch so perfekt sein, Gott nichts hinzufügen. Er braucht unsere Liturgien nicht, wir brauchen sie. Wenn wir seinen Namen preisen, uns vor sein Angesicht stellen, entdecken wir, dass wir seine Geschöpfe sind, Kinder Gottes, von ihm geliebt, zu der einen Familie gehören, die aufgerufen ist im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu wachsen.

Gottesdienst ist nur dann glaubwürdig, wenn er zum Dienst am Menschen wird. Unsere Liturgien sind dann gelungen, wenn sie uns dazu befähigen, den Mitmenschen zu dienen, wenn sie nicht an der Kirchentüre Halt machen sondern in den Alltag hineinwirken, wenn wir uns unserem Nächsten öffnen, ihm zu Hause, am Arbeitsplatz begegnen, demjenigen helfen, der in Not geraten ist, zum barmherzigen Samariter werden.

Wenn sie im Umfeld verankert sind, erinnern sie uns beispielsweise daran, dass wir Teil dieser Kirche in Deutschland sind. Deshalb sollten sie auch immer wenigstens ein Gebet oder einen Gedanken in deutscher Sprache beinhalten, als Geste der Aufmerksamkeit gegenüber den Gläubigen anderer Muttersprache (nicht notwendigerweise deutscher Muttersprache), die an unseren Liturgien teilnehmen, den binationalen Ehepaaren, den internationalen Freunden, denjenigen, die unsere italienischen Traditionen schätzen.

In diesem Zusammenhang dürfen wir die zweisprachigen oder mehrsprachigen Gottesdienste nicht vergessen, die es in unseren Gemeinden gibt, zu besonderen Anlässen (wie die Woche des ausländischen Mitbürgers) und bei gemeinsamen Festen (Corpus Domini, Patronatsfest, Pfarrfeste, das grosse Gebet, die Feiern der Karwoche,…). Es sind typische Momente im Leben der Gemeinde die wir zusammen mit der deutschen Ortsgemeinde auf Augenhöhe vorbereiten sollten: gemeinsam vorbereiten (das Thema, die Lesungen usw. zusammen aussuchen) und gemeinsam durchführen (es muss nicht immer der Ortspfarrer der Hauptzelebrant sein). Im Rahmen des Möglichen sollten die anwesenden Nationen sichtbar werden um deutlich zu machen, dass wir zu der einen Kirche gehören und die Begegnung durch die Vielfalt bereichert wird. In solchen Gottesdiensten kann man die Katholizität der Kirche spüren, ihren Reichtum an Traditionen und Ausdruckformen.

Die Kirche in Deutschland hat immer weniger Mitglieder (160.000 weniger in 2012, von der Gesamtbevölkerung sind es nur noch 30,3% ), wegen der Kirchenaustritte aber vor allem wegen der zunehmenden Entchristlichung. Aus diesem Grund, und auf grund rückläufiger Priesterzahlen und Sparmaßnahmen, sind in allen Diözesen Restrukturierungsmaßnahmen im Gange, bei der die Zahl der Pfarreien drastisch reduziert werden (sie sind in größere Seelsorgeeinheiten zusammengefasst). Eine schon vorhersehbare Konsequenz hieraus wird die Schließung von Kirchen sein. Bevor man daran denkt diese Kirchen zu verkaufen, in Museen zu verwandeln oder an andere religiöse Gemeinschaften abzutreten, möchten wir die Diözesen einladen, darüber nachzudenken, ob man sie nicht Gemeinden anderer Muttersprache zur Verfügung stellen kann. Sollte dies der Fall sein, könnten sich die italienischen Gemeinden zumindest in den größeren Städten nicht zurückziehen, sondern eine starke internationale Kerngemeinde bilden. Die Gesellschaft verändert sich sehr rasch, auch auf Grund der Tatsache, dass die Menschen schneller und öfter ihren Aufenthaltsort wechseln. Die Kirche kann diesen Wandel nicht ignorieren. In vielen Bezirken ist die Zahl der Glaubenden anderer Muttersprache wesentlich höher als die der Deutschen. Man muss deshalb neue Formen der Präsenz vor Ort finden. Einige Orden (z.B. die Scalabrinipatres in Frankfurt, die Dehonianer in Berlin, usw.) haben internationale Gemeinschaften vor Ort gebildet. Die Liturgie als Spiegelbild der Gesellschaft kennt seit Jahren mehrsprachige Gebetsmomente. Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, dieser Gegebenheit systematisch Rechnung zu tragen und den bisherigen Projekten, die bisher als eher etwas außergewöhnliches, tolleriertes und exotisches angesehen werden, offizielle Strukturen zu geben.

Etwas Wissenswertes. Ich habe nachgeschlagen, wieviele Paragrafen das Kirchenrecht dem Gottesdienst widmet. Wenn man alle liturgischen Momente mit einbezieht (von den Sakramenten bis hin zu den anderen Gebeten) sind es sage und schreibe 419. Wenn wir die Paragrafen der päpstlichen Kongregationen, die der Bischofskonferenzen, der Diözesen dazuaddieren, sind es unzählige. Die Hebräer hatten viele, aber immer noch weniger als wir. Jesus hat sich aber gerade über diese Vielzahl von Reglementierungen aufgeregt. Der Formalismus beim Gottesdienst und der mangelnde Respekt im Tempel waren die beiden Dinge, die ihn so sehr erzürnt haben, dass er dies verbal (“ihr Nattern, ihr Schlagenbrut”…, Kap. 23 in Matthäus) und handelnd (er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie aus dem Tempel hinaus, Joh. 2,13-17) zum Ausdruck brachte. Wenn Jesus heute wiederkäme, hätte er dann die selben Gründe um sich zu ärgern? 419 Paragrafen im Kirchenrecht, zuzüglich alle Verordnungen des Vatikans und der Diözesen. Wir brauchen Normen, aber wehe wenn sie zum Dogma werden. Wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit den Rubriken und Riten widmen, sehen wir weniger auf die Substanz, auf das Eigentliche, nämlich die Begegnung mit Gott und den Mitmenschen. Das umgekehrte wäre der richtige Weg. Vielleicht ist dies ein Grund, warum die Menschen vor den offiziellen Gebetsformen der Kirche fliehen (zu sehr reglementiert und deshalb als kalt empfunden) und sich immer mehr den Bewegungen anschließen (die in ihren Riten vor allem auf die menschliche Begegnung und den Kontakt setzen).

Und eine Fragestellung. Ist es richtig und korrekt nur in der Eucharistiefeier – in der ein Pfarrer zwingend anwesend sein muss – die höchste Form und beinahe erschöpfende Form des Gottesdienstes zu sehen? Besteht da nicht das Risiko, dass man an einer Kirche festhält, die priesterzentriert ist (eine klerikale Kirche), während es doch viele Charismen gibt, und alle Wertschätzung und Raum verdienen? Ist vielleicht die Zeit gekommen in den Familien, den Gruppen, den Außenbezirken der Gemeinde traditionelle und neue Formen des gemeinsamen Gebetes einzuführen und einzuüben – in der Kirche oder außerhalb – die von den Laien selbst gestaltet werden? Beim diesjährigen Forum in Stuttgart wurde dies in der Hauptsache gefordert.

Hier könnte man das große Kapitel der Volksfrömmigkeit einfügen, wie sie vor allem in Süditalien gelebt wird und von dort nach Deutschland eingeführt wurde. Ich denke dabei an die verschiedenen Heiligenfeste und Feste zu Ehren der Mutter Gottes (mit den jeweiligen Novenen und Prozessionen im Freien), an die Karfreitagsprozessionen durch die Straßen der Städte usw., die in der Regel von Laien organisiert und durchgeführt werden. Den Kaufhäusern die Schau zu stehlen, die Plätze und Straßen (die “Tempel der Laien”) mit Gebeten zu füllen, Begebenheiten, die in der Bibel stehen aufleben zu lassen und dabei vor Schaufenstern und den Symbolen des Wohlstandes zu laufen, wenn auch für wenige Stunden, sind Zeichen eines Glaubens, der an die Öffentlichkeit dringt und zumindest zum Nachdenken anregt. Sicherlich ist dies ein Beitrag der italienischen Volksfömmigkeit an die Ortskirche und Gesellschaft vor Ort.

Abschließende Bemerkung: unsere Liturgien haben oft wenig Riten, aber in der Regel sind sie reich an Menschlichkeit und sichtbarer Ausdruck des Glaubens.

Rückblick: eine Jahresbilanz

Die Nationaltagung bietet immer eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. In den 16 Rundschreiben, die seit der Tagung 2012 versandt wurden und im Corriere d’Italia finden wir eine dettailierte Aufstellung der Aktivitäten. Die Daten zu unseren Gemeinden (93) und dem darin beschäftigten pastoralen Personal (111 pastorale Mitarbeiter, davon sind 70 Priester, Durchschnittsalter 69 Jahre) sind im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert. Ich möchte mich deshlab nicht widerholen sondern drei Punkte herausstellen.

1 – Die Italiener wandern wieder aus. Wer die italienische Presse verfolgt wird sich sicherlich gewundert haben, welch großes Aufsehen die vom deutschen Statistischem Amt veröffentlichten Statistiken für 2012 am 7. Mai diesen Jahres in den italienischen Medien gefunden haben.  Ich nenne nur die Schlagzeilen: “Germania, boom di immigrati italiani(Deutschland, die italienische Einwanderung boomt)” (La Stampa); “Germania, boom immigrazione: un milione di nuovi arrivi, più 40% di italiani(Deutschland: 1 million neue Zuwanderer , 40% davon stammen aus Italien)” (Corriere della Sera); “Boom di immigrati italiani in Germania. Nel 2012 aumento del 40 per cento (die italienische Zuwanderung boomt in Deutschland. 2012 ein Zuwachs von 40%) ” (Il Sole 24 Ore); “Il lavoro c’è, ma in Germania: 42 mila italiani ci provano(es gibt Arbeitsplätze, aber in Deutschland: 42.000 Italiener versuchen ihr Glück)” (Rai News 24); “I tedeschi? Andrebbero in Germania…se fossero nei nostri panni (die Deutschen? Sie würden nach Deutschland auswandern, wenn sie in unserer Haut stecken würden)” (Libero, 6. Juli). Italien steckt in einer tiefen Krise und die Menschen wandern wieder aus, vorwiegend nach Deutschland. Zahlenmäßig ist es nicht mit den 60iger und 70iger Jahren zu vergleichen, und es sind auch nicht die ärmeren Schichten, die auswandern. Heute sind es vor allem junge Menschen, Menschen, die eine Qualifikation haben. Letztes Jahr sind 1,08 Millionen nach Deutschland eingewandert, ein plus von 13% gegenüber 2011, die höchste Quote seit 1995. Dreiviertel dieser Migranten haben sich in 5 Bundesländer niedergelassen, nämlich in Bayern, Nordrheinwestfalen, Baden- Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Im Schnitt sind diese Leute 10 Jahre jünger als der Bundesdurchschnitt und die meisten haben einen Hochschulabschluss. Aus Italien sind 42.167 Landsleute zugewandert, 40% mehr im Vergleich zu den 30.154 in 2011. Um eine höhere Zahl zu finden müssen wir 17 Jahre zurückgehen, d.h. bis 1996, als 45.821 Italiener einreisten. Danach nahm die Zahl bis 2006 beständig ab; seit 2006 verzeichnen wir wieder einen Zuwachs. Angesichts dieses Phänomens sind jene, die an der Regierung sind und leichtfertig und schnell unsere Arbeit als “übrigbleibsel alter Zeit” abgetan hatten, den deutschen Diözesen dankbar, die sich von den sinkenden Zahlen der Italienerseelsorger und von rückläufigen Finanzmitteln nicht haben entmutigen lassen und unsere Gemeinden aufrecht erhalten haben und unsere Arbeit weiterhin wertschätzen.

2 – Diakonie und politischer Einsatz. Die Wahlen in Italien im Frühjahr – und vergessen wir nicht, dass im kommenden Jahr die Europawahlen anstehen und hier in Deutschland am kommenden Sonntag, 22. September auf Bundesebene gewählt wird – haben auch in unseren Gemeinden das Thema des Einsatzes als Christen in der Politik wieder entfacht. Ohne die Debatte, die daraus entstanden ist – auch über e-mail an den Corriere d’Italia, an einem Abend während unserer Exerzitien – wieder aufgreifen zu wollen, ist, so glaube ich, klar geworden, dass diakonisches Wirken nicht nur bedeutet sich der Nöte der älteren Mitmenschen anzunehmen, Kranke zu besuchen, Essen für Obdachlose anzubieten, sich für eine bessere Schulbildung unserer Kinder und Jugendlichen einzusetzen, sich an die Seite der am Rande stehenden zu stellen usw. sondern vor allem sich für das Wohl des Gemeinwesens einzubringen, und dies geht mit einer aktiven Teilnahme in den Verwaltungsgremien und in der Politik einher. Wir müssen die Menschen nicht nur dazu bewegen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, als Zeichen, dass sie sich als vollwertige Bürger verstehen. Vielmehr müssen wir sie ermuntern, als Christen aktiv in den politischen Parteien und Organisationen mitzuwirken damit in den Programmen und den konkreten Entscheidungen die Menschen im Mittelpunkt stehen und die Menschenrechte eine stärkere Bedeutung gegenüber den wirtschaftlichen Gesichtspunkten erhalten. Ein besonderes Augenmerk gilt dann den Ärmeren, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt, an den Rand gedrängt oder ausgenutzt wird, Migranten und Flüchtlinge eingeschlossen.

3 - Laienvertretung. Zum Abschluss des Pastoraljahres wurde ein neues Organ der Laienvertretung, der Seelsorgerat eingerichtet. Nationaldirektor Stefan Schohe hat dies bewirkt mit dem Ziel, 3 gewählte Vertreter der Gemeinden anderer Muttersprache in das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) zu entsenden. Die italienische Vertreterin im Seelsorgerat, Isabella Vergata, wurde für dieses Mandat anlässlich der Nationaltagung der Laien gewählt. Anlässlich dieser Wahl wurde auch über die Vertretung der Laien im Verwaltungsrat der Delegation gesprochen. Da es keine Wahlordnung gibt, wurde in den vergangenen Jahren immer jemand berufen. Dies sieht auch die Satzung der Kirchen- und Pastoralräte vor. Es versteht sich von selbst, dass aber zur nächsten Wahl des CdD auch für die Laienvertreter (Hauptberufliche und Ehrenamtliche) eine Wahl stattfinden sollte. Bei den Hauptberuflichen könnte man wie bei den Delegaten verfahren: alle Berechtigten können per Briefwahl abstimmen. Für die Ehrenamtlichen hätte ich zwei Vorschläge: die Bildung einer Kooridnierungsgruppe auf Bundesebene der Kirchengemeinde- und Pastoralräte (ausgehend von den Verbänden in den einzelnen Teilgebieten, nach dem Mainzer Modell), oder bei der Tagung der Laien eine Wahl durchzuführen, so wie wir im Hinblick auf den Seelsorgerat verfahren sind. Auf der Grundlage dessen, was hier und in den Tagungen vor Ort besprochen werden wird, wird die Delegation eine Entscheidung treffen.

Pastoraljahr 2013-2014

Der Beginn des neuen Pastoraljahres fällt mit dem Abschluss des Jahres des Glaubens, dem 25. Jubiläum von Migrantes und dem Abschluss des Dialogprozesses innerhalb der Kirche in Deutschland zum Thema Liturgie zusammen. Im November werden wir bei unseren Konferenzen folgende mögliche Themen auf der Tagesordung haben: Analyse der ersten Enzyklika von Papst Franziskus “Lumen fidei”, praktische Schlussfolgerungen aus den Überlegungen zum Thema der Liturgie, das uns 2013 begleitet hat, und damit zu dem, was bei dieser Tagung besprochen wurde. Ich zitiere nur eine: da unsere Gemeindegebiete so weitreichend sind, sollten wir verschiedene Arten von Gottesdiensten fördern, auch solche, die von Laien selbständig gemacht werden können und gleichzeitig sollten wir darauf hinarbeiten, dass sich unsere Landsleute in die deutschen Ortspfarreien integrieren. Das wir den ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Fortbildung ermöglichen wollen, zielt sicherlich auch darauf ab.

Das Thema des Dialogprozesess 2014 ist die “Martyria der Kirche: »Den Glauben bezeugen in der Welt von heute«. Wir werden das Thema in unseren Konferenzen vor Ort, bei den Exerzitien (Apostelgeschichte, vom 10.-14. März in Limburg, Paolo Curtaz wird sie predigen), bei der Laientagung (16. -18. Mai in Simmern) und beim Jugendmeeting (2. Juni in Ludwigshafen), sowie bei den Tagungen der Laien und den Jugendtreffen vor Ort aufgreifen und besprechen. Wir werden uns fragen: wie können wir angesichts der Mobilität, Multikulturalität und religiöser Vielfalt unseren Glauben leben und weitergeben, der die Werte des Evangeliums, die Botschaft und die Person Jesu verkündet, uns teilhaben lässt an seiner Auferstehung, einem Glauben der in die Zukunft weist und Zukunft verheißt, trotz mancher Niederschläge und menschlichem Versagen.

Als Neuerung im kommenden Pastoraljahr sollen versuchsweise Tagungen der Laien und  Jugendmeetings zumindest im Norden, Mitte und Süden Deutschlands stattfinden, die ein paar Monate vor den Nationaltagungen durchgeführt werden sollen. Ziel ist es, den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Ideen zu fördern, Beziehungen zwischen den Gemeinden wachsen zu lassen und vor allem den Ehrenamtlichen eine Fortbildung zu garantieren, damit sie immer besser darauf vorbereitet sind, innerhalb unserer Gemeinden Verantwortung zu übernehmen.

Neben der Fortbildung möchte ich auch betonen wie wichtig die Information ist. Es freut mich, dass die Rundschreiben der Delegation ein positives Echo haben. Sie sind ein Bindeglied für unsere gemeinsame Pastoral im Dienste unserer Landsleute in Deutschland und Skandinavien. Wer sie nicht persönlich bekommt (die ehrenamtlichen Mitarbeiter, Vorsitzenden der Kirchen- und Pastoralräte, Leiter der Gebetsgruppen etc.), kann sie direkt auf der Homepage der Delegation lesen, wo sie regelmäßig veröffentlicht werden (www.delegazione-mci.de). Ab November wird das Informationsmaterial erweitert, alle Gemeinden, auch jene die nicht die technischen Mittel oder das notwendige Personal haben, können einen eigenen Homepageauftritt im Internet haben, der sogar jeden Tag aktualisiert wird. Unter www.lemissioni.net, einem Internetauftritt der von der Schweiz koordiniert und von Migrantes finanziert wird (dieses Jahr auch für uns mit 2.000 Euro), um die Italienischen Katholischen Missionen und Gemeinden in der Welt zu fördern, wird gratis das ganze Material, Fotos inbegriffen, veröffentlicht, das die jeweilige Mission/Gemeinde zusendet. Von den 381 Missionen, die es weltweit gibt, haben 122 einen Internetauftritt. D.h. die meisten sind nicht präsent. In Deutschland sind es von 93 Missionen nur zirka 30. Und dennoch wissen wir, dass dies die Welt ist, in der die Jugendlichen zu finden sind, die Kommunikation der Zukunft. Da unsere Landsleute so weit verstreut leben, ist dies die beste Alternative um sie zu erreichen. Wer eine eigene Homepage aht kann diese automatisch erneuern, indem er auf www.lemissioni.net geht. Nähere Informationen und Details kann man bei Gianfranco, dem Verantwortlichen für diese Initiative, erfragen, bzw. bei Frau Licia Linardi, online Beauftragte der Delegation oder bei der Sekretärin Frau Silvia Lustri.

Ich führe keine weiteren Pnkte aus. Auf dem Blatt, das in den Mappen liegt, stehen alle Termine für das kommende Jahr. Ich möchte nur einen Wunsch äußern: arbeitet nicht isoliert voneinander. Wir brauchen einander, und das nicht nur wenn wir in Nöten sind. Die menschliche Beziehung zwischen uns und zu den Menschen ist unersetzbar. Sie ist sichtbares Zeichen unserer Verbundenheit mit dem Auferstandenen; es ist der erste Ort – für mich der wichtigste – an dem Gottesdienst stattfindet: unsere tägliche Liturgie, die in unserer Prioritätenliste an oberster Stelle stehen sollte.

p. Tobia Bassanelli, Delegat

 

Übersetzung: Sonia Cussigh

 

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